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RAJA YOGA 

 

Der Königsweg

Raja ist Sanskrit und bedeutet „König“.

Gemeint ist, wer der König über seinen Geist ist, der hat die Kontrolle über sein Leben.

Die Grundlage des Raja Yoga bilden die Sutren (Lehrverse) von Patanjali, welche bereits vor 2.000 Jahren niedergeschrieben wurden.

Diese 8 Stufen (auch Ashtangas genannt) geben die Disziplinen vor, die Körper und Geist reinigen sollen um Samadhi (Erleuchtung) zu erreichen. Diese Stufen sind aufbauend, also müssen nacheinander erklommen werden.

Etwas Angepasster oder weniger spirituell könnte man auch sagen, wenn wir diese Lebens- oder Verhaltensregeln befolgen, dann erreichen wir Ruhe, Klarheit und erlangen Erkenntnis.

Hier geht es nicht um ein sportliches Programm, dass wir absolvieren, sondern um einen allumfassenden Lebensweg, um die Kontrolle über unser Leben- besonders über unseren Geist- zu erlangen.

Es gehören zwar auch Asana und Pranayama zu diesem Weg, jedoch immer mit dem Ziel der körperlichen und geistigen Reinigung.

 

योगश्चित्तवृत्तिनिरोधः
yogaś-citta-vṛtti-nirodhaḥ

Yoga ist das Zur Ruhe kommen im Geist.

Patanjali - Yoga Sutra Vers 1.2.

 

Die 8 Glieder des Raja Yoga

1. YAMAS- Ethik
Yama beschreibt die Beziehung zu sich selbst und anderen Menschen. Liebe alle, könnte man als Kernaussage von Yama bezeichnen. Hier ist auch jeder für sich selbst gemeint, im Geist und körperlich.
Auch in Asanas kann man das anwenden. Wenn man zB mit Gewalt in eine Position kommt, ist das nur kontraproduktiv für den eigenen Körper.
Früher wurde jeder Yogaschüler auf seine Ethik geprüft, bevor er bei einem Guru in die Lehre gehen konnte.

  • Ahimsa- Gewaltlosigkeit (sich selbst gegenüber und auch anderen)

  • Satya- Ehrlichkeit und auch Mut, zu sich selbst zu stehen

  • Asteya- nicht stehlen- weder materielles oder geistiges Eigentum; kein Vergleichen, niemanden untergraben

  • Bramhacharya- Enthaltsamkeit, Mäßigung in allen Bereichen des Lebens

  • Aparigraha- minimalistischer Lebensstil, Unbestechlichkeit

2. ​NIYAMAS- Selbstdisziplin

Niyama beschreibt die Beziehung zu sich selbst und gibt vor, wie man seinen Körper und Geist behandeln soll.
Finde dich selbst und reflektiere- im Geiste und auch Körperlich (Asanas).

  • Shaucha- geistige und körperliche Reinheit, sattvische Ernährung (vegetarisch)

  • Santosha- Zufriedenheit, Dankbarkeit und Wertschätzung für das was man hat, aber auch Akzeptanz der eigenen Grenzen

  • Tapas- mit voller Überzeugung, Energie und Disziplin Sachen erledigen. Ziele setzen und auch entschlossen darauf hinarbeiten

    „Love it, change it or leave it!“

  • Swadhyaya- Selbstreflexion und Selbststudium

  • Ishvara Pranidhana- sein Leben Gott widmen

3. Asana- Körperhaltungen

Das ist wohl das, was die Meisten sich unter Yoga vorstellen. Es geht zwar um die körperliche Seite, jedoch nicht darum sich zu verbiegen oder in extreme Yogaposen zu gehen. Das einzige Ziel ist, lange in Position gewaltfrei verweilen zu können. Nur so kann man Ruhe im Geist schaffen.

4. Pranayama- Kontrolle der Lebensenergie

Prana ist unsere Lebensenergie. Wenn wir unsere Atmung kontrollieren können, so lässt sich auch unser Leben leichter lenken. Unser Atem kann erst richtig fließen, wenn wir eine gute Körperposition einnehmen.


Pranayama zielt darauf ab, die Lebensenergie zu erhöhen und den Atem tief und beständig zu machen. Tiefes und bewusstes Atmen hilft dir ruhiger zu werden und ganz bei dir selbst zu sein.

5. Pratyahara – Zurückziehen der Sinne

Wenn man die ersten 4 Stufen meistert, so hat man viel Energie in sich zur Verfügung.
Wenn man seine Sinne fokussiert und nach innen richtet, so kann diese Energie in uns wirken und unser Bewusstsein erweitern. Wir können Körper und Geist näher zusammenbringen.

6. Dharana - Konzentration

Ziel ist es, die geistige Energie auf einen Punkt zu konzentrieren, z.B. auf ein Chakra und den Fokus eine gewisse Zeit lang zu halten.
Die ist nur möglich, wenn man mit sich im Reinen ist, wenn man ganz bei sich ist.

7. Dhyana – Meditation

Im hier und jetzt verweilen- in seinem Geist, ohne Gedanken nach Außen.
Durch den Fokus auf das Hier und Jetzt ist sowohl das Vergangene als auch die Zukunft unwesentlich.

8. Samadhi – Erleuchtung, Reines Bewusstsein

Es heißt, geistige Grenzen sind überwunden und man ist Eins mit der Welt.

Man hat den Sinn des Lebens erkannt und verschmilzt mit der Wirklichkeit.
Befreiung, Ruhe und Erlösung.